Entstehung und Behandlung
Allzu oft erkennen wir bei genauerem hinsehen kleinere Längsrisse (sogenannte Windrisse) auf den Pferdehufen. In der Regel werden diese mit der Erklärung abgetan, dass es
sich um sprödes und brüchiges Horn handelt. Ein fataler Irrtum!
Diese Risse, die sich zu Spalten entwickeln können, entstehen immer dann, wenn ungünstige Hebel- und
Scherkräfte auf die Hornkapsel wirken. Stellen Sie sich die Hornwand als eine Verbindung vieler einzelner Hornröhrchen vor, die von der Krone bodenwärts wachsen und sich an Stresspunkten trennen – man spricht in diesem
Fall von Zusammenhangstrennungen.
Wie entstehen Zusammenhangstrennungen?*
Je nach Hufsituation können steilere Hornwandanteile auf schrägere treffen. Beim Auf- und
Abfußvorgang entstehen starke gegeneinander arbeitende Kräfte, die schrägere Hornröhrchen durch den Bodengegendruck nach außen bewegen und steilere Wandanteile ihrer Bodenneigung
entsprechend eher nach oben oder innen hebeln. An diesen Stellen zeigen sich in der Regel auch die Trennungen. Asymmetrische Hufe sind demnach besonders gefährdet. Natürlich können Spalten auch
nach Kronrandverletzungen entstehen, dies ist jedoch eher selten.
Zu finden sind diese Veränderungen überwiegend in der Zehen- oder Seitenwand. Sie verlaufen immer
senkrecht und beginnen meist im unteren Hufbereich. Allerdings können Risse und Spalten aufgrund massiver Spannungen auch in der Krone oder in der Hufmitte beginnen.
Die erfolgreiche Behandlung der Hornrisse- und Spalten setzt also die Beseitigung der ungleichmäßigen
Belastungssituationen und Hufformen voraus. Über das Steuern des Hornabriebes und das Reduzieren der Hebel- und Spreizkräfte werden die ‚verbogenen’ Hornwände korrigiert und die Belastungsunterschiede ausgeglichen.
Hilfsmittel wie Klammern, Klebstoffe oder Spezialbeschläge sind genauso unwirksam wie das Querraspeln oder Auffräsen der Zusammenhangstrennungen, weil es sich nur
um eine Symptombehandlung handelt. Die Spaltenbildung stoppt erst dann, wenn die Ursachen erfolgreich beseitigt wurden.