Die Hufrehe wird als Entzündung der Huflederhaut definiert. In der Regel tritt diese an den Vorderfüssen auf, kann aber auch alle vier Füße betreffen. Da es sich um eine
sehr schmerzhafte Erkrankung handelt, mit der große Risiken einhergehen, ist der Verdacht schon als Notfallsituation anzusehen. Bitte stellen Sie das Pferd bis zum Eintreffen des Tierarztes, auf weichen Untergrund, Sand
oder Sägespäne leisten hier gute Dienste. Das Unterfüttern der Sohle mit viel Watte (dick aufpolstern) um die Last vom Tragrand zu nehmen wirkt identisch. Die Nahrungsaufnahme sollte in dieser Phase eingeschränkt werden
(keine kohlehydratreichen Futter), bis Diagnose und Ursache fest stehen.Verschiedene Auslöser bedingen eine starke Absenkung des Magen- und Darm-ph-Wertes was zum Absterben der Darmbakterien führt. Die dabei frei
werdenden vasoaktiven Substanzen führen zu Veränderungen in den Kapillaren der Zehenwand. Trombosen mit Bluthochdruck sind ursächlich für die Zerstörung der Verbindung von Wandlederhaut und Zehenwand.
Es kommen viel
Faktoren in Frage, die zur Auslösung der Rehe beitragen: plötzliche Futterumstellung, übermäßige Aufnahme von Kohlenhydraten (Fütterungsrehe), übermäßige Aufnahme von Fructan in einigen Gräsern, bakterielle Infektion,
Überlastung der Hufe, Hormonstörungen, Vergiftung, Nachgeburtsrehe, medikamentös (Applikation von Kortikosteroiden).
Anzeichen:
In den verschiedenen Stadien der Rehe erkennen wir geringe
bis massive Symptome. Während des Frühstadiums sind oft keine einschneidenden Einflüsse erkennbar. Erst in der Akutphase zeigen sich erste Lahmheitssymptome, die sofortiges Handeln erfordern!!! Nach ca. 48 Stunden
spricht der Mediziner dann von der chronischen Phase, die auch ein kritisches Stadium darstellt. Die Symptome sind massiv und unübersehbar.
Wegen des Schmerzsignals wird das erkrankte Tier versuchen durch das nach
vorne Stellen die Zehe zu entlasten und die Hinterbeine stark unter den Bauch zu schieben. So wird die Last auf die Trachten gebracht. Weitere Anzeichen sind hochgradige Schmerzen, das Pochen der Zehenarterie unterhalb
des Fesselgelenkes und die Erwärmung der betroffenen Füße, im Laufen ist es eine übermäßige Trachtenfußung und starke Lahmheit.
Diagnose:
Durch den Tierarzt! Abtasten mit der Hufuntersuchungszange
(Ausschluss Abszess), Blutuntersuchung, Anfertigen von Röntgenbilder gibt Auskunft über die Stellung des Hufbeins.
Behandlung:
Nach angewandter Therapie durch den Tierarzt, der sofortigen und
gründlichen medizinischen und medikamentösen Versorgung, erholt sich das Pferd langsam und die Durchblutung wird wieder normalisiert. Die Behandlung kann unterstützt werden durch einen Aderlass, die Blutegel-Therapie
und viele weitere Maßnahmen.
Die Behandlung der Hufe erfolgt durch den Huforthopäden. Im Gegensatz zu den massiven Stellungsveränderungen der klassischen Rehebehandlung konzentriert sich die Huforthopädie
bei der Diagnose ‚Hufrehe’ darauf, den Hebel der Zehenwand (respektive in der Akutphase vom kompletten Tragrand) zu nehmen. Das Hochstellen der Trachten oder das komplette entfernen der Zehenwand (klassisch) oder
auch die Kombination beider Maßnahmen ist aus unserer Sicht nachteilig und ungeeignet.
Kritisch kann auch die Versorgng mit einem Gipsverband betrachtet werden, da hier häufig das Aufpolstern der Sohle nicht drastisch genug ist - die Hufbeinspitze trifft schlecht gepolstert auf den harten Gips.
Nach
längerer Genesungszeit und intensiver huforthopädischer Pflege sind die meisten Pferde wieder voll einsatzfähig.